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Spielbericht 23. Spieltag der Saison 2010/2011

 Hannover 96 - 1. FC Kaiserslautern 3:0 (2:0)
Spielbericht von micoors

Pech oder Unvermögen? – Abwärtstrend setzt sich in Hannover weiter fort

In der Rheinpfalz konstatierte FCK-Chef Stefan Kuntz, dass man weiter auf den zuletzt begonnen Aufwärtstrend setzt: "...In den letzten zwei Spielen hat sich unsere Mannschaft gesteigert. Wenn sie den Trend fortsetzt, dann werden wir auch in Hannover was holen...“ Allerdings nahm der FCK in den letzten 40 Jahren gerade einen Sieg aus der niedersächsischen Landeshauptstadt mit. Um es vorweg zu nehmen: Auch an diesem Spieltag brachten die Lautrer - trotz gutem Beginn - nichts Zählbares mit nach Hause. Trotzdem begann der FCK wieder einmal so, wie man es sich vorstellt wenn der Spielverlauf eigentlich pro Kaiserslautern gestaltet werden könnte. 

Schon zu Beginn ergab sich die erste Chance für den FCK: Moravek umkurvte seinen Gegenspieler am 16er und stand plötzlich frei vor Torwart Zieler. Doch die Aktion wurde wegen eines angeblichen Foulspiels von Moravek abgepfiffen (3.). Eine krasse Fehlentscheidung, wie die Fernsehbilder im Nachhinein zeigten.

Der FCK stand in der frühen Phase des Spiels gut in der Defensive, attackierte die ballführenden Spieler von Hannover früh und zeigte eine insgesamt gute Positionsdisziplin. In der fünften Minute setzte sich Ilicevic mit einem gekonnten Dribbling am gegnerischen Strafraum durch, doch sein Pass auf Lakic war zu unpräzise. Aber auch Hannover zeigte seine Gefährlichkeit und hätte in der sechsten Minute durch Ya Konan in Führung gehen können, aber Dick klärte. Die nächste Chance hatte Lakic mit einem schönen Kopfball nach Ecke von Tiffert (7.). Diesmal war es der 96er Rausch, der auf der Linie rettete.

Zu diesem Zeitpunkt merkte man den Roten Teufeln das neue Selbstvertrauen an, das sie aus der letzten Partie gegen Borussia Dortmund mitgenommen hatten. Auch von Lakic war etwas mehr zu sehen als in den letzten Spielen. So versuchte er sich an einem Distanzschuss, der von Zieler aber problemlos abgewehrt werden konnte, da zu wenig Druck hinter dem Ball war (11.). Im Gegenzug konnte Rodnei wiederum beweisen, warum er von Trainer Marco Kurz den Vorzug vor Matthias Abel erhielt. Er klärte gekonnt vor dem einschussbereiten Ya Konan.

Im Gegenzug über den linken Flügel machte FCK-Linksverteidiger Jessen den Vorteil seines schnellen Vorstoßes wieder einmal durch eine grottenschlechte Flanke zunichte (14.). Bis zu diesem Zeitpunkt war Mannschaftskapitän Martin Amedick in seiner Rolle als Abwehrchef auf der Höhe des Geschehens und entschärfte einen Fallrückzieher von Schulz, der beinahe in Ya Konan seinen dankbaren Abnehmer gefunden hätte (16.). Eine Minute später leistete sich Amedick dann aber den ersten groben Schnitzer und verlor das Leder 25 Meter vor der Torauslinie gegen Ya Konan. Der passte blitzschnell auf Schlaudraff, der das 1:0 gegen Sippel besorgte. Bitter für Lautern, da die Abwehr bis zu diesem Zeitpunkt sehr solide stand.

Nach dem Führungstreffer ließ Hannover den Lautrern etwas mehr Platz im Mittelfeld, lauerte jedoch auf jede mögliche Konterchance. Zuerst ergab sich aber für die Roten Teufel die nächste Chance durch Ilicevic. Sein Schuss aus halbrechter Position ging jedoch über das Tor von Zieler (27.). Zwei Minuten später schoss Lakic aus 18 Metern. Doch der Ball war zu schwach und Zieler hielt.

Auf der Gegenseite sorgte Ya Konan weiterhin für Gefahr. Florian Dick hatte große Mühe den 96er Stürmer zu stoppen. Lautern war weiterhin bemüht den Ausgleich zu schaffen. Gute Ansätze wurden aber durch schlechtes Zuspiel oder Flanken ins Niemandsland von Jessen leichtfertig vergeben.

In der 37. Minute prüfte Pinto mit einem gewaltigen Distanzschuss das Können von Lauterns Schlussmann Sippel. Der verhinderte mit den Fingerspitzen das 2:0 für Hannover.  Lautern drängte weiter auf den Ausgleich und erspielt sich Chancen durch Ilicevic und Hlousek (44.). In der 45. Minute jedoch trat das ein, was langsam zur unrühmlichen Gewohnheit bei Auswärtsspielen des 1. FC Kaiserslautern wird: Ya Konan gewinnt den Zweikampf gegen Rodnei, passt am 16er zu Abdellaoue, der kurz vor dem Halbzeitpfiff zum 2:0 verwandelt (45.).

Pech oder Unvermögen? Wahrscheinlich Beides! Lautern zeigte sich ebenbürtig, verlor wie so oft in dieser Saison durch individuelle und dumme Fehler die Spielkontrolle und geriet in Rückstand. Dass dem FCK konstatiert wird, seinen Gegnern auf Augenhöhe zu begegnen, kann ich langsam nicht mehr hören. Das Halbzeitresultat spricht für sich und lässt die entsprechenden Rückschlüsse auf die fehlende Erfahrung der Mannschaft von Trainer Marco Kurz ziehen.

Die zweite Halbzeit begann nicht verheißungsvoll. Lautern wirkte gehemmt und verunsichert im Spielaufbau. Hannover war mit schnellen Vorstößen weiterhin gefährlich. Lakic bemühte sich zwar im Sturm, vertändelte aber einige Bälle. Glück für Rodnei, der Ya Konan im 16er foulte. Der fällige Elfmeterpfiff blieb aus (54.). Dieser war aber auch nicht nötig, denn der FCK ließ sich zum wiederholten Mal von Ya Konan vorführen. Der Ivorer passte auf Schlaudraff, der mit seinem zweiten Tor in diesem Spiel auf 3:0 für Hannover erhöhen konnte. Die Entscheidung!

Lautern kämpfte weiterhin, es ist jedoch nie der Eindruck entstanden, dass hier noch einmal eine Wende möglich gewesen wäre. Nun zeigte der FCK erste Auflösungserscheinungen. Pinto scheiterte aus guter Position an Sippel und verpasste somit den K.o.-Schlag (60.). Trotzdem waren noch immer die Anfeuerungsrufe der knapp 3.000 mitgereisten Fans aus Kaiserslautern zu hören. Gut dass der FCK solche Anhänger hat.

Und fast wäre es dann nochmals spannend geworden. Zuerst kratzte Cherundolo Lakics Kopfball von der Linie (71.), dann köpfte Lakic aus kurzer Distanz knapp drüber (72.). Den Roten Teufeln, die sich wieder aufrappelten und sich nicht aufgaben, blieb das gegnerische Tor dennoch vernagelt. Auch Lakic ist weiterhin meilenweit entfernt von der Form der Vorrunde. Die möglichen Gründe für seinen Einbruch sind hinlänglich bekannt. Es bleibt zu hoffen, dass er wieder zur alten Verfassung findet. Der eingewechselte Nemec konnte wenig Impulse setzen und das Fernbleiben von Lauterns Sturmhoffnung Micanski gibt weiterhin Rätsel auf – Trainingsrückstand??

In den letzten 15 Minuten des Spiels kehrte Ruhe ins weite Rund der bei weitem nicht ausverkauften AWD-Arena ein. Der FCK machte den Eindruck sich mit seinem Schicksal abgefunden zu haben und kam kaum noch ernsthaft nach vorne. Die Hannoveraner verlegten sich nun vollends auf Ergebnisverwaltung und brachten den Sieg letztendlich routiniert über die Zeit. Es fehlte dem FCK an der Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft, um einen effektiv spielenden Gegner wie Hannover 96 zu bezwingen.

Die Krise in Kaiserslautern ist nach der Atempause gegen Dortmund wieder in voller Beschleunigung. Mit dieser Leistung wird der Klassenerhalt nicht erreicht!

Dabei wäre der FCK durchaus nicht chancenlos, wie man auch heute gesehen hat. Allerdings sollte die temporär desolat spielende Abwehr dringend stabilisiert werden. Bilek wäre eine Alternative im defensiven Mittelfeld. Es geht schließlich nicht darum den Schönheitspreis beim Kurzpassspiel zu gewinnen, sondern Beton anzurühren und keine Tore zuzulassen. Ebenso prekär ist die Lage in der Offensive. Bekommt Lakic den Kopf wieder frei? Will er das überhaupt und wie schwer belastet der Interessenskonflikt mit seinem zukünftigen Arbeitgeber, der ebenso tief im Abstiegskampf steckt? Ausgerechnet Wolfsburg spielt wieder eine zwiespältige Rolle im Existenzkampf des FCK.

Das Saisonziel Klassenerhalt ist trotz der Niederlage (noch) nicht unrealistisch. Das nächste von 11 Endspielen folgt und der zu besiegende Gegner heißt HSV.

Mannschaftsaufstellung:
Hannover 96: Zieler – Rausch, Cherundolo, Pogatetz, Haggui, Schulz – Pinto (70. Lala), Stindl – Abdelaoue (76. Chahid), Ya Konan, Schlaudraff (86. Stoppelkamp)

FCK: Sippel – Petsos (74.
Walch), Amedick, Jessen, Dick , Rodnei – Moravek (79. De Witt), Hlousek, Ilicevic (74. Nemec), Tiffert – Lakic

Tore:
1:0 Schlaudraff (17.)
2:0 Abdelaoue (45.)
3:0 Schlaudraff (57.)

Autor: micoors

Datum:
19.02.2011


 
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